Mein Austritt aus der CDU Deutschlands

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich verlasse hiermit enttäuschten Herzens die CDU.

Nicht, weil ich mich von der CDU wegbewegt hätte, sondern weil die CDU sich nach meiner Überzeugung von ihren Grundsätzen und damit von mir wegbewegt hat.

Dass die Delegierten, trotz einer Mehrheit für Friedrich Merz in allen seriösen Umfragen, anders entschieden haben ist für mich ein inakzeptabler Affront gegenüber dem, was ich als demokratische Werte betrachte. Delegierte werden entsendet, um im Sinne derer, die sie entsendet haben zu entscheiden. Das ist meiner Ansicht nach mit Füßen getreten worden. Die Delegierten haben in meinen Augen im Sinne Ihrer Mandatsbewahrung und ihrer Seilschaften entschieden und damit weiteres Öl ins Feuer der Politikverdrossenheit gegossen. Für mich persönlich ist der Vertrauensbruch zu groß. Die „miese Aktion“ von Herrn Spahn, die Fragerunde für Werbung zu nutzen, war der Gipfel. Das Nachtreten etlicher CDU-Linker in den sozialen Medien ist an Widerwärtigkeit kaum noch zu überbieten.

Der Exodus von den eigenen Wurzeln und basisdemokratischen Werten ist mit der Wahl des neuen Parteivorsitzenden für mich endgültig vollzogen.

Ich habe nun leider final den Glauben daran verloren, dass es der CDU nicht nur um beliebige Machterhaltungsoptionen geht. Nach meinem Empfinden geht es vor allem den Delegierten und Mandatsträgern um sich selbst.

Ich kann es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren einer Partei anzugehören, die durch ihr Agieren in Hinterzimmern und geneigten Netzwerken einen enormen Teil zur Politikverdrossenheit in der Bevölkerung beiträgt.

Ich sehe keinen Mitgestaltungsrahmen mehr für eine Politik im Sinne der Bürgerinnen und Bürger, der Wählerinnen und Wähler. Eine Partei die sich zum Selbstzweck macht und in der Personen vor allem sich selbst dienen, ist meiner Sache nicht.

Von daher sehe ich mich nun gezwungen mir eine andere Partei oder einen anderen politischen Mitgestaltungsrahmen zu suchen, in dem noch Ideen, Werte, das Wohl der Menschen und echte Diskussionen über persönlichen Interessen und Machterhalt stehen. Die CDU hat für mich ihr Rückgrat verloren. Ich bin fassungslos, geschockt und maßlos enttäuscht.

Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung.

Mit freundlichen Grüßen

Abgeschickt am 17. Januar 2021

Edit und wichtige Anmerkung:

Aktuell werde ich von etlichen Menschen gefragt, warum ich nicht zur AfD gehen würde.

Ich möchte hier mal in aller Deutlichkeit klarstellen, dass diese sogenannte „Alternative“ für mich absolut keine Alternative darstellt und ich mich ganz gewiss nicht in diese Richtung bewegen werde.

Ich habe vor einiger Zeit sogar Morddrohungen aus dem neurechten Spektrum erhalten und lehne völkisches Gedankengut, Rassismus (den die gerne als Ethnopluralismus verharmlosend verkaufen wollen) und die Art des Framings, wie die AfD es betreibt, vehement ab.

Wenn ich den im Versteckten agierenden Ex-Flügel von solidarischem Patriotismus reden höre, muss ich kotzen. Nationalsozialismus (light) darf es NIE WIEDER geben!